Spassgesellschaft

Vom himmlischen und irdischen Ursprung des Menschen.

Es muss zu Urzeiten gewesen sein, als es noch keine Menschen auf Erden gab. Da gab es lediglich den Himmel mit eitlem Sonnenschein, wenn er nicht gerade von Wolken verhangen war oder es gar regnete, und es gab den Urwald mit seiner üppigen Vegetation, von mancherlei Tieren besiedelt. Dazu gehörten auch die Affen voller Spieltrieb. Die reine Spassgesellschaft. Da muss es geschehen sein. Ein Engel im Himmel verlor während einer spirituellen Übung sein Gleichgewicht und fiel, trotz seinen Flügeln, mitten in eine Affenfamilie. Er verletzte sich nicht, denn er war ja reinen Geistes, federleicht und voller Unschuld und wurde von haarigen Armen eines mehrfachen Affenvaters aufgefangen. War das ein aufgeregtes Affengeschrei, so dass der Engel es besser fand, erschrocken wie er war, sich an den Haaren des Affen festzuhalten. Die Affenfamile gewöhnte sich rasch an das neue Familienmitglied, es wurde aufgenommen und akzeptiert. Der Spass, den die Affen miteinander hatten, diese leichtfertigen Spielereien, wirkten auf den Engel jedoch verführerisch. Ein Leben ganz im Hier und Jetzt, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft. Er fand gefallen daran, mit jedem Tag mehr und mehr. Bald spielte er selbstvergessen mit. Der Spass und die Lust nahmen ihren freien Lauf und nach geraumer Zeit musste er feststellen, dass er schwanger war. Von welchem der Affen wusste er nicht. Allzu viele waren am Spiel beteiligt. Das war verzeihbar, auch nicht wichtig, denn die Absicht des himmlischen Vaters ging in Erfüllung. Die Geburt des ersten menschlichen Wesens. Was durch diese Paarungen entstand, war immerhin die Geburt einer neuen Spezie. Und Gott gefiel dieses Wesen und freute sich über den Engel, der vom Himmel so tief in den Urwald gefallen war. Damit war ein Wesen geboren, das nicht nur irdisch war, sondern auch himmlisch, eines mit zwei Welten in sich und damit war auch das Leiden geboren, denn dieses Wesen, das sich fortan Mensch nannte, spürte stets zwei Seelen in seiner Brust, die einander bekämpften. Keinem ist es bis heute gelungen beide Teile zu einer Einheit zu verschmelzen, entweder siegte der Himmel oder die Natur. Meistens die Natur.

Es könnte natürlich auch umgekehrt gewesen sein, dass ein männlicher Engel vom Himmel fiel und tief in die lustvolle Biologie einer gebärfreudigen Affenmutter drang. Das hiesse allerdings, dass die Menschen von der Urmutter sehr viel äffisches Blut mitbekommen hätten, gegen das der Himmel bis heute zu kämpfen hat. Nach dem Urteil der Kirchenväter scheint es so. Die haben sich jahrhunderte lang bemüht, den Ursprung des Menschen zu ergründen. Einig waren sie sich schliesslich, dass er einen himmlischen und einen irdischen Ursprung hat und dass der irdische Ursprung, mit seiner Lust am Spass, in seiner ganzen Natur böse ist und strikte zum Guten erzogen werden muss. Askese schrieen sie und kämpften bis zur geistigen Verarmung gegen Natur und Teufel.

Die anderen hingegen, die ihre Kraft von der Urmutter bezogen, wollten es nur lustig haben. Sie machten ihre Anleihen bei den Urahnen im Urwald und gründeten  eine Spass- und Lustgesellschaft. Sie feiern das Leben auf ihre Art, ganz im Hier und Jetzt, ohne Gedanken an das Gestern und das Morgen. So sei es!

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