Emotionale Erpressung

Erpressung durch Manipulation der Gefühle

Wer kennt sie nicht, die schuldmachenden Sprüche der Mutter, der Erzieher, der Glaubenshüter und des Partners, oder der Partnerin: Du hast mich  enttäuscht – du hast mich warten lassen – Du hast mich verletzt/gekränkt – Das tut man nicht – Du bringst mich (mit deinem Verhalten) noch ins Grab – du kommst bestimmt nicht in den Himmel, wenn … – und viele andere. Immer wird dabei versucht den anderen durch Schuldgefühle gefügig zu machen.

Über emotionale Erpressungen in Partnerschaft, Familie und gegenüber alten Menschen wurde schon vieles geschrieben, so dass es sich erübrigt auf Details einzugehen. Eine informative Website ist:

http://www.partnerschaft-beziehung.de/Emotionale-Erpressung.html

Ich selber möchte auf kulturell gewachsene und durch frühe Prägungen zur Selbstverständlichkeit verinnerlichte Schuldgefühle hinweisen, welche das Leben behindern.

Schuldgefühle sind eine schwere Hypothek, die jeden lebenswerten Sinn unterdrücken. Sie sind krankmachend und völlig überflüssig. Sie machen den Menschen unwürdig. Abgesehen von unverständlichen Sühnehandlungen sind Resignation, Scham und Reue (Sühne) ihre Begleiter. Meist basieren sie auf Manipulationen, frühen Prägungen und auf einem Mangel an Bewusstsein und Eigenverantwortung. Immer begrenzen sie die freie Entfaltung und somit auch das Glück.

Bei Menschen, die im alttestamentlichen und christlichen Kulturkreis aufwuchsen, kommt noch die Illusion der Erbsünde dazu. Die daraus gewachsene Schuld und die damit verbundene Sühne hat sich über Jahrhunderte tief in die Gefühle eingenistet und die Intelligenz unserer Emotionen geprägt, die uns heute noch, wenn auch meistens unbewusst, belasten. Und solange unsere Gefühlswelt mit Schuld belastet ist, gibt es kein Heilsein, kein Heil der Seele, kein Heil der Gefühle, kein Heil des Körpers, keine Einheit von Körper, Seele und Geist.

Mit Schuldgefühlen glaubt sich der gläubige Mensch unwürdig vor Gott zu treten. Eine ungeahnte Quelle für die Selbstbestrafung. Da kommen wir zu einer, weit verbreiteten, christlichen Einstellung, dass wir hier auf Erden leben, um zu sühnen, damit uns schliesslich vergeben wird. Welche Tyrannei hat sich der Mensch hier auferlegt! Kenneth Wapnick behauptet in seinen Betrachtungen über ein  Kurs in Wundern: “Es bedeutet, (wenn uns vergeben worden ist), dass wir nicht mehr für unsere eigene Sühne hier sein müssen. Irgendwann haben wir den Sinn unseres Daseins erfüllt. Dann werden wir unseren Körper ablegen und wieder zu Hause sein”.

Es ist eine absurde Vorstellung geboren zu werden, nur um zu Sühnen, damit Gott oder dessen Ausfluss, der Heilige Geist uns vergibt. Der Sinn des Daseins kann nicht die Sühne sein! Was gibt es da zu sühnen? Die Erbsünde, der Ausschluss aus dem Paradies? Eine Parabel, die durch die Kreuzigung und Auferstehung Christi für den Gläubigen schon längst aus der Welt geschaffen ist. Ein Christ, der seinen Glauben ernst nimmt, hat keinen Grund zu leiden.

Im Buddhismus gehören Schuldgefühle zum Leiden und finden keine besondere Erwähnung. Es gibt auch keine Sünden, welche in die Verdammnis führen und den Himmel verwehren. Das Leiden und die Befreiung davon steht im Mittelpunkt.

Auch andere östliche Theorien von Karma und Reinkarnationstheorien sind Glaubensfaktoren, welche den Gläubigen binden und an der Freiheit vorbei führen, weil die Freiheit nur durch ein Leben im Hier und Jetzt entstehen kann. Hier und Jetzt ist immer der aktuelle Atemzug. Freiheit ist gelebtes Leben (Lieben) stets in diesem Augenblick.

Der intellektuellen Intelligenz ist schon lange bewusst, dass ungelebtes Leben der Vorfahren an die Nachkommen weitergeht, ebenfalls unbewältigte Schuldgefühle. Viele der gegenwärtigen Leiden beruhen auf Fehlhandlungen der Ahnen, welche Kinder und Kindeskinder genetisch übernommen haben. Die Bibel spricht davon, dass die Sünden der Väter (und Mütter) bis ins siebte Glied an die Nachkommen weitergehen. Die moderne Psychotherapie ist durchaus in der Lage solche Störungen zu beheben. Wer daran leidet verpasst das eigene Leben.

Für Rationalisten ist der Glaube ohne Bedeutung. Sie setzen sich in tragischer Weise über die Gefühle hinweg. Dabei geht die Weisheit der emotionalen Intelligenz verloren. Die natürliche Lebensenergie mit seiner Freude wandelt sich in kalte Aggression und führt zu Angriff, Krieg und zu Beschuldigungen. Jedes Mittel ist recht und sie greifen gewissenlos zu Manipulationen. Zur Rechtfertigung dient der eigene (Pseudo-) Perfektionismus, dem andere zu entsprechen haben. „Wer nicht für mich ist, ist wider mich!

Ein absurdes Beispiel für Schuldzuweisungen und Manipulationen bietet die Geschichte der jüngsten Vergangenheit. Mit welchen Lügen haben Weltmächte den Krieg gegen den Irak begründet! Die Projektion der Schuld und der Angriff auf andere soll offenbar das eigene Versagen rechtfertigen. Der böse Sündenbock, der an allem schuld ist, gehört seit es Menschen gibt zum Rechtfertigungsmechanismus der Spezies. Bedenklich wird es jedoch, wenn Machtpolitiker danach greifen und damit Völker manipulieren. Bei Adolf Hitler waren es die Juden, die an allem schuld waren, beim amerikanischen Präsidenten Bush und Konsorten, Saddam Hussein und einige Terroristen. Das eigene historische Versagen wird nicht gesehen.

Nach einem uralten Gesetz der Hunas gibt es nur ein Gebot um glücklich und zufrieden zu leben: Keinem anderen Lebewesen, keinem anderen Selbst ein Leid zufügen. Gemeint ist damit auch das Lebewesen Erde. Im Umgang mit anderen Menschen ist soziale Kompetenz gefragt, in einfachen Worten, ein partnerschaftliches Miteinander.

Huna ist eine uralte, konfessionsfreie Lebensform, in welcher der Mensch im Mittelpunk steht. Eine Philosophie des positiven Denkens und der Selbstverwirklichung. Sie ist so alt wie die Menschheit selbst. Sie blieb in Polynesien und Hawaii, trotz christlichen Bekehrungsversuchen, erhalten und wird heute weltweit praktiziert. Im Internet (Google) gibt es darüber viele Hinweise, die dem Interessenten weiter helfen.

Eine bemerkenswerte, subtile Prägung durch Schuldzuweisung, die bis ins Rentenalter wirkte, erfuhr ein an sich intelligenter und gutmütiger Mann in seinen Kindheitsjahren: Die materielle Not in den 1930er-Jahren war gross und die Sorgen der Mutter um die tägliche Nahrung beanspruchte ihre ganze Tatkraft. Sie bewirtschaftete einen grossen Garten, in dem sie während der Saison die meiste Zeit verbrachte. Wenn der Junge sie brauchte oder aus der Schule heim kam, sah er sie gebeugt im Garten Unkraut jätend, säend oder erntend. Diese dem Boden zugeneigte Gestalt blieb in seinem Gedächtnis haften. Aber das alleine machte die Prägung nicht aus. Immer wenn er sie etwas fragte, ein bisschen Zuwendung brauchte, Hilfe beanspruchte, bekam er stets die gleich Antwort: „Keine Zeit. Muss im Garten schuften, damit ihr (die Kinder) zu essen habt. Stets unzufrieden gab sie zu verstehen, dass sie sich für die Kinder aufopferte. Abends dann, nach dem Essen, war sie so müde, dass sie wiederum nicht ansprechbar war. Sie ging früh ins Bett. Denn morgens um sechs musste sie wieder für die Kinder und den Mann aufstehen. Und im Winter? Da musste sie Nähen, Kleider flicken, Stricken, damit die Kinder etwas anzuziehen hatten und „anständig“ daherkamen.

Es ergab sich im Laufe der Zeit ein wiederkehrendes Muster, das ungefähr so aussah: „Sich für die Kinder (und den Mann) aufopfern, immer wenn es ging, erschöpft und leise jammernd das Bett hüten, daraus ein grossartiges Trotzdem – sich aufraffen und weiterhin, im vorwurfsvollen Ton: „ich tue es nur für euch Kinder! Was soll sonst aus euch werden?“ So wurden täglich Schuldgefühle ins kindliche Gemüt eingepflanzt. Sie gab stets zu verstehen, dass für sie das Leben ein Opfergang war.

Dieses tägliche sehen müssen wie sich die Mutter wegen ihm abrackert, wie sie wegen ihm leidet, liess seine Schuld ins unermessliche anwachsen, zu einer Hypothek, für die er aufzukommen hatte. In seiner kindlichen Gutmütigkeit fühlte er sich verpflichtet sie zu amortisieren. Die Schuld abtragen. Da die Mutter keine geistigen Werte anerkannte, um zu überleben auf den Pfennig achten musste, war ihr Leben ganz dem Materiellen zugewandt. Geld hiess für sie Leben, zumindest Überleben. So rasch wie möglich Geld verdienen und es der Mutter zukommen lassen, wurde zur Lebenseinstellung des Jungen. Von der Schuld frei werden war sein Lebensziel. Schuldenfrei dastehen. Dafür schuftete er. Aber nicht genug damit: Auch nach dem Tod seiner Mutter griff die Prägung. Unbewusst und unreflektiert übertrug er sie auf seine Lebensgefährtin. Bald einmal musste ein Haus mit Garten her, damit er in der Freizeit gebückt gärtnern konnte, bekömmliches Gemüse produzieren – Naturkost, ganz natürlich, ohne Kunstdünger und giftigen Mitteln.

Dankte es ihm seine Frau? Weit gefehlt. Sie brauchte den täglichen Gang ins Einkaufszentrum, den Kontakt mit den Leuten, das Auswählen-dürfen aus dem reichen Angebot … Und den Gatten hätte sie lieber im trauten Gespräch bei sich gehabt statt gebeugt im Garten sich abmühend.

Erst an einem Vortrag über ein kreatives Alter entdeckte er den Unsinn seines zwanghaften Tuns.

 

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