Das Sein in der Schönheit

Schönheit ist Geist, in einem sinnlichen Leib

Durch die Seinserfahrung kam ich in eine neue Welt, mit ganz neuen Perspektiven und neuen Gefühlen. Es war eine Welt, nicht von dieser Welt. Eine Welt voller Wohlgefühle, die nicht von Situationen abhängig waren, die auch blieben, wenn der Alltag verrückt spielte. Der innere Frieden und die Gnade, dass ich Gott in mir selber spürte und zum Bewusstsein gedieh, waren wohl das Kostbarste, das ich mitbekam – und dabei nicht zum Glaubensfanatiker verkam.

Ich will hier nicht erneut über meine Seinserfahrung reden, darüber habe ich genug berichtet, es geht mir hier um die durch die Seinserfahrung entstandene Warte, wie ich sie erlebte, wahrnahm und integrierte und um jene Altlasten, die dabei lediglich ins Unterbewusstsein verdrängt, mich später weiterhin behinderten, ja sabotierten. War ich bis anhin ein leidenschaftlich angetriebener Körper, Prägungen und Trieben ausgeliefert mit einer nach Erlösung schreiender Seele, so war ich nun ein freier Geist, der einen lebendigen Leib brauchte, um sich zu zeigen, besser gesagt, um sich zu manifestieren.

Um mich besser verständlich zu machen, nehme ich gerne die Dreigliederung (nach R.Steiner) zu Hilfe. Die menschliche Existenz beruht auf den drei Ebenen von Körper, Seele und Geist (Bewusstsein). Zusammen machen sie die Ganzheit (Dreieinigkeit) des Menschen aus.

Wenn ich nur Körper bin, ohne Geist und Seele, werde ich sterben und wieder zu Erde werden. Aus und Schluss. Meine physische Existenz war eins und alles. Fertig.

Wenn ich Körper und Seele bin, liegt es am Glauben, was aus der Seele wird. Zum Beispiel die Hoffnung auf ein Paradies oder Himmelreich. Es gibt auch den Glauben an die Seelenwanderung und die Wiedergeburt, die Wiederverkörperung. Es gibt kein Wissen, was wirklich geschieht und wird.

Wenn ich Bewusstsein bin, wird mein Körper sterben, aber ich werde weiter leben. Das Selbst-Bewusstsein erlischt. Der Geist jedoch stirbt nicht. Das ist eine Gewissheit. Er kann im dem, was er geschaffen hat weiter leben, wie zum Beispiel Albert Schweitzer, oder wie es Shakespeare in seinen Sonetten besingt, oder wie ein Menschheitslehrer, der in anderen Menschen weiterlebt, durch all das, was er in ihnen bewirkt hat. Geist kann eine neue Verkörperung suchen, durch die er erneut wirken kann.

Durch die Seinserfahrung wurde ich in die geistige Welt eingebunden. Ich wurde Bewusstsein. Durch das Bewusstwerden des Geistes wurde auch der Geist zu Bewusstsein. Ich wurde zum ICH BIN.

Der Geist an sich ist unsichtbar, also ist er auf einen Körper angewiesen, damit er sichtbar wird, damit er sich zeigen und erkannt werden kann. Als Geist bin ich sehr interessiert, einen gesunden Körper zu besitzen – ohne Körper bin ich das reine Nichts. Mein Geist wirkte auf seine Weise und veränderte auch mein physisches Aussehen. Ohne meine Absicht und ohne mein Wissen gab er meinem Körper eine würdige Erscheinung. Ich sass am Boden und meditierte. Plötzlich spürte ich eine heile Energie in mir, die mich aufrichtete. Ich schaute auf und um mich. Die ganze Umwelt schien verzaubert, verklärt. Die Natur, die Landschaft, alles strahlte in Schönheit, wie mit einem Firniss überzogen. Aber nicht genug damit. Diese Ekstase hat auch mein Aussehen verändert – eine Strahlung der Schönheit, die zu meiner lebendigen Botschaft wurde. Schönheit ist Geist in einem sinnlichen Leib.

Ich begann meinen Körper achtsam zu pflegen und ihm zu geben, was er brauchte, damit er zum Leib wurde, zu einem Tempel meines Geistes, des reinen Bewusstseins. Ich bin nicht der Körper, er ist quasi das Haus in dem ich lebe. Er ist mein Leib, durch den ich lebendig bin, wirke und sichtbar bin.

Die Strahlung eines Adonis war nicht gerade das, was mich in der Welt aus der ich stammte willkommen machte. Es wurde zu einem Hindernis, um mich in der sozialen Gewöhnlichkeit einzufügen. In der herrschenden Macho-Gesellschaft stiess ich durch meine Strahlung auf blanke Ablehnung. Die Frage stellte sich nicht mehr, wo kann ich mich einbringen, sondern wo kann ich mich ein- und unterordnen. Denn von meiner Bildung her, hatte ich kein anerkanntes Berufsbild. Nach verschiedenen Versuchen blieb mir nur die Kunst und der Erwachsenenbildner. Da konnte ich mein ganzes Wesen einbringen und weitergeben, was ich erfahren habe, als Wegweiser dienen und Impulse zur ganzheitlichen Bildung geben. Als Autodidakt holte ich sehr beflissen mein Bildungsmangel nach. Ich studierte die Weltgeschichte, vor allem die Antike, Kirchengeschichte, Kunstgeschichte deutsche Literatur. Ich war wie ein leeres, riesiges Fass, das Jahre brauchte bis es aufgefüllt war. Mein Wissen gedieh zu einem All-Wissen. Im Hintergrund stand immer meine Seinserfahrung. Mein ganzes Leben, bis heute, war ich stets ein Lernender.

Bei einer Verschmelzung löst sich das Vis-a-vis auf, es entsteht eine Einheit. Bei meiner Verschmelzung mit Gott wurde ich Gotteins. War ich nun Gott, bin ich durch die Verschmelzung zu Gott geworden? Es schien so und ich erfuhr es so. Mein Verstand stand dagegen. Ich nahm nur noch mich selber wahr. Ich spürte mich voller Gnade und Glückseligkeit – und ICH BIN. Wenn ich die Augen öffnete, war ich im Hier und Jetzt – wenn ich mich auf Gott ausrichten wollte, dann spürte ich nur mich – mich selbst, mein Selbst. Gnade ist Gott in mir selbst. Also konnte ich mich nicht mehr auf ihn ausrichten. Ich konnte folglich nur noch auf die Menschen ausgerichtet sein. Es war auch die Geburtsstunde des Humanisten.

Da war ich nun in meiner, mir neuen, geistigen Welt und schaute mich um. Ich sah eine reale, physische Welt in all ihren Erscheinungen. Anfänglich konnte ich nur wahrnehmen, dass ich in meiner geistigen Erscheinung bei den Menschen genauso unerwünscht war, wie vordem, als ich als emotional Unerwünschter die soziale Gemeinschaft suchte. Nur auf Frauen wirkte ich jetzt anders. Da gab es viele, die drehten ihre Köpfe nach mir. Dabei blieb es.

Ich musste bald feststellen, dass mein Leib mit seinen Bedürfnissen seine Eigenständigkeit behalten hatte und mir mit seinen Forderungen keine Ruhe liess. Alles war noch in seiner ganzen Lebendigkeit da. Aber es gab kein blindes, triebhaftes Verhalten mehr. Mein Bewusstsein stand darüber und daraus fielen die Entscheidungen, was zu geschehen hat. Solange ich von der Aussenwelt abgeschottet in einer stillen Kammer hauste und keine Kontakte pflegte, blieben die Begierden ruhig. Lediglich alle drei bis vier Wochen, in Träumen, besuchten mich Engel, in der Gestalt von niedlichen Huren, die mich ausglichen, indem sie den Spermentank entleerten und die Bettlaken verschmierten. Jetzt jedoch, in der freien Natur, konnte mich alleine schon ein Spaziergang in Aufruhr bringen. Wollte ich gesund bleiben, durfte ich meine Natur nicht mehr länger unterdrücken. Nach langem Dafür und Dawider, mit der Erkenntnis schliesslich: Nur wenn ich alle drei Ebenen von Körper, Seele und Geist lebe, werde ich eine Dreieinigkeit, werde ich zu einer Ganzheit, ein Vollmensch. So entschloss ich mich, dem Leib zu geben, was er begehrt, seine Begierden zu stillen. Er dankte es mir mit vielen Glückseligkeiten bei der Verschmelzung mit dem anderen Geschlecht. Es geschah zu meinem Wohle. Nur Dank meinem Körper kann ich die Wunder des Geistes spürbar erleben.

Eine alte tantrische Weisheit bestätigte meinen Entschluss: „Obwohl Yogis von sich aus sehr weit vorankommen können, so müssen sie doch, wenn sie zur Vollendung kommen wollen, danach streben, sich durch Begleiterinnen zu ergänzen und zu vervollständigen.“ Ohne Energieaustausch mit dem Weiblichen gibt es keine Ganzheit –. Eine andere Weisheit sagt es deutlich: „Wenn sich jemand entschliesst auf den Geschlechtsverkehr zu verzichten, dessen innerster Geist wird sich nie entwickeln, da das Wechselspiel zwischen Yin und Yang zum Stillstand kommen wird. Wie sonst könnte jemand seine vitale Essenz ersetzen? Die vitale Essenz bei häufigem Geschlechtsverkehr erneuert alte Energien, weckt Schaffenskraft und Lebensfreude, erhält jung … das ist der richtige Weg und führt zu einem echten Gewinn. Wenn ein Mann weiss wie man liebt, ohne den Samen zu emittieren, dann wird seine vitale Essenz ins innere zurück kehren. Das ist das Geheimnis des Lebens, das dem Menschen in allen Bereichen dient. (Frei nach SU NU CHING China Tao and Tantra Yoga)“

Der Mensch wird geboren, damit er zum Vollmenschen wird und darin seine Aufgabe erfüllt. Jedes andere Streben geht am Menschen als Ebenbild Gottes vorbei. Durch den Vollmenschen wird Gott sichtbar. „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde …“

Für den Vollmenschen ist Gott kein Thema mehr. Er ist im Bewusstsein integriert und dadurch als schöpferische Energie stets gegenwärtig. Der Voll-Mensch ist zum Partner der Schöpfung erwacht.

Meine Seinserfahrung war ein spirituelles Phänomen, von dem ich überrascht wurde. Es war eine unglaubliche Antwort auf mein bisheriges Leben. Von der Mutter nicht gewollt, eine unerwünschte Geburt, durch den Vater verflucht, und durch mein haltloses Verhalten bereits in jungen Jahren von der sozialen Gemeinschaft ausgestossen. Durch das Verschmelzen mit der universell schöpferischen Energie (als Gott erlebt), spürte ich, dass ich von Gott gewollt bin. „Ich bin Gott gewollt!“ Von der Mutter und der Welt verstossen, aber Gott sagte: „Du bist mein geliebter Sohn!“ Ein Heilungsprozess ohnegleichen. Es war eine geistige Erlösung, die später jedoch auch zu einer Verpflichtung wurde. Ich erlebte Gefühle der Gnade, der Verzeihung, des Versöhntseins, der Glückseligkeit, der Unschuld und Reinheit – quasi eine wieder gewonnene Keuschheit. Die Gewissheit der Gnade wurde zum Freipass für all mein Tun und Lassen.

Die Schuldgefühle, welche mich immer wieder gepeinigt hatten, waren aufgelöst. Mir ist vergeben worden. Unschuldig stand ich da. Keine Schuld mehr – keine Reue und Sühne mehr. Ein neues Gewissen entstand, das mir zur Freiheit gedieh, aber auch gegen Neigung und Pflicht stehen konnte. Dabei gab es nur ein Gebot: „Verletze niemanden, weder psychisch noch körperlich!“

Auch die bis anhin vertrauten, negativen Gefühle des Zornes, des Hasses und der Selbstzerstörung verschwanden. Sie wurden jedoch nicht aufgelöst, sondern nur zugedeckt, quasi eingefroren, verdrängt. Die Altlasten mit den frühkindlichen Prägungen blieben im Körper verborgen und sabotierten später in regelmässig wiederkehrenden Abständen mein positives Wirken. Aus religiöser Sicht hatte der Teufel seine Hände immer wieder im Spiel. Ein kindlicher Glaube. Es waren die frühkindlichen Prägungen meiner Eltern und Erzieher, die verdrängt aus dem Unterbewusstsein wirkten. Meine Seinserfahrung hatte mich geistig geheilt und mich in mein Selbst geführt, das Teil des Kosmos ist und den Menschen mit allen Menschen verbindet. Das gab mir die Fähigkeit, mich mit dem Selbst, dem „Göttlichen“, in jedem Menschen zu verbinden. Es lag an mir den Körper zu einem Leib zu gestalten, der der göttlichen Wahrheit entsprach.

Auf meinem Weg entdeckte ich immer mehr, dass meine Seinserfahrung mich in eine eigenständige geistige Welt geführt hatte, die nicht von dieser Welt war. Es war eine Welt voller Wohlgefühle und heilsamer Energien, die auch auf meinen Körper wirkten, mit denen ich im Laufe der Jahre auch meine Prägungen aus meiner frühen Kindheit bereinigen konnte. Das reine Bewusstsein gab mir die Kraft und die nötige Einsicht. Ich spürte das Ineinanderwirken der drei Welten von Körper, Seele und Geist immer stärker. Da entstanden Gefühle aus dem Bewusstsein, die frei und lauter waren und solche aus der realen Welt des Alltags, die immer von Situationen, Gedanken oder Erinnerungen ausgelöst wurden. Aber immer war es der Körper, der sie zu spüren bekam und austragen durfte oder musste.

Es gab auch Emotionen in denen sich Gegenwart und Vergangenheit blind vermischten, was durchaus tragisch werden konnten. Solche Begebenheiten wurden denn auch zum Wegweiser zum meinem kindlichen Trauma.

Während des ganzen Prozesses war mein Beobachter stets wach. Es bildete sich ein Bewusstsein, das stets über meinem Erleben stand. Aus meinen Erfahrungen bildete sich ein Wissen, das mir stets zur Seite stand. Die Erkenntnis und das Wissen waren mein Weg und nicht der blinde Glaube. Der Verstand lernte das Verstehen und half mir immer wieder, selbst schwierigste Situationen zu erkennen. Ich entdeckte, dass mein Körper von fremden, von mir fremden Kräften besetzt war. Da gab es zwei Welten, eine spirituelle, die heiter und voller Freude war und eine emotionale, die von der Erziehung geprägt war, welche mit meiner Natur und meiner Veranlagung nichts zu tun hatte. Damit ich meinem wahren Selbst Raum schaffen konnte, musste ich mich aus dem Bewusstsein heraus quasi auf den Kriegspfad begeben, um meinen Körper zu befreien. Ein „dreissigjähriger“ Krieg gegen die manipulierenden Machenschaften fremdbestimmender Mächte, vor allem meiner hasserfüllten Mutter, die schon vorgeburtlich begannen.

Durch Wachheit und Achtsamkeit lernte ich alle drei Ebenen zu beachten und ihnen zu geben was sie bedurften. Es gab nichts, das nicht spiritualisiert werden konnte, es gab nichts, das nicht aus dem Bewusstsein geschehen konnte. Jedes Wort war bewusst, bevor es ausgesprochen wurde. Jeder Gedanke war bewusst, bevor er über die Lippen kam. Das was sich Spontanität nennt, war kaum mehr möglich, denn alles lief über das Bewusstsein. Die Abläufe waren allerdings so schnell, dass der erwähnte Vorgang von den Beteiligten nicht bemerkt wurde. Bei mir waren die möglichen Folgen bei einem Ja oder Nein stets sofort klar.

Eine besondere Bedeutung bekam die sexuelle Ur-Energie, die in ihrem Wesen schöpferisch ist. Auf der ursprünglichen Ebene dient sie der Schöpfung zur Zeugung neuen Lebens, Nachkommen zur Erhaltung der Spezis. Durch Transformation können damit auch andere Ziele erreicht werden. Ein Geist- und Gottsucher versucht durch Askese sein Ziel zu erreichen. Schamanen, Heiler und Heilerinnen leben ihre Sexualität, vermeiden jedoch den Orgasmus, um so die geweckte Energie zu transformieren. Sie verstärken damit die heilende Kraft und geben sie an Heilsuchende weiter. Die tantrische Weisheit lehrt den Mann den Samen einzubehalten, um dadurch ungebrochen in voller Potenz zu leben. Durch Spiritualisierung lässt sich die sexuelle Energie auch erfolgreich zur Wunscherfüllung einsetzen.

Für mich war es sehr einfach die schöpferische Ur-Kraft bewusst auf allen Ebenen einzusetzen. Ich lebte diese Energie liebend mit Frauen, ich gab sie heilend weiter, schaffte kulturelle Werke, nährte damit meine Neugier und setzte sie forschend ein – auch zur Erforschung der menschlichen, vor allem weiblichen Psyche, die durch das Verhalten meiner Mutter sehr fragwürdig geworden war.

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