Die heilende Kraft der Schönheit

Ich half während kurzer Zeit, im Alter von 27 Jahren, in der Gärtnerei IMG_0555meines älteren Bruders. Eines Tages, gegen Abend, etwas müde, setzte ich mich auf eine Treibbeetkannte und konzentrierte mich auf meinen Atem. Schon damals konnte ich mich mit dieser Besinnung auf mich selbst rasch erholen. Auch diesmal. Ich öffnete die Augen. Erstaunt stand ich in einer von Schönheit verzauberten Landschaft. Oben auf dem Hügel das Schloss – alles gleichermassen mit einem goldenen Firniss überzogen, genau wie Ölgemälde an einer Vernissage. Dazu wurde ich mit einem Wohlgefühl beglückt, das heilend auf mein ganzes Wesen wirkte.

Das war die Geburtsstunde des Künstlers Simon E. Siegrist.

Es war eine beglückende Erfahrung. Ich blieb nachher stundenlang gedankenfrei, war erfüllt und spürte mich in meiner Ganzheit. Heil! Das dauerte, bis die Sorge um den Lebensunterhalt begann. Zudem meldeten sich Glaubenssätze aus meiner Erziehung – du darfst nicht…, du sollst nicht…, tue deine Pflicht und frage nicht! Die Folge: Mit diesen Moralbegriffen wurde die Heilkraft der Schönheit zerstört und das Leiden begann von neuem. Die Abrahamischen Kirchen brachten es tatsächlich zustande mit ihren Geboten, Dogmen und Tabus die Heilkraft der Schönheit zu zerstören und Religionen des Leidens zu verbreiten. Dabei sprachen viele Mystiker bis ins Mittelalter immer wieder von der Schönheit Gottes. Swedenborg postulierte schliesslich: „Schönheit ist der direkte Ausguss des Heiligen Geistes.“ Zudem schrieb der russische Schriftsteller Dostojewski in einem seiner Romane: „Schönheit rettet die Welt“. Seit Urzeiten findet man überall Hinweise auf die besondere Energie der Schönheit.

Ich lernte rasch, denn ich wollte gesund und schöpferisch bleiben. Falsche Moral hat in der Welt der Ästhetik nichts zu suchen. Da wirken andere Gesetze, keine unterdrückenden Moralbegriffe.

Aus diesem Jungbrunnen schöpfe ich heute noch, mit mehr als 80 Jahren.

Thailand gibt uns ein bemerkenswertes Beispiel. Viele Leute staunen immer wieder über die Schönheit und das jugendliche Aussehen der Thaifrauen. Die Erklärung ist einfach: Hier gibt es keine Tabus, Dogmen und Gebote, welche sie unterdrücken. Sie können ungehindert wachsen und blühen wie die Lotusblumen und Rosen.

Es sind psychisch verkrüppelte Christen, die mit ihrem Sextourismus die Offenheit anderer Kulturen missbrauchen und zerstören und die Frauen zu Huren degradieren. Aber ja, gewiss, im Christentum soll ja die Frau, auch heute noch, dem Manne untertan sein! Welch ein Joch! Und es gibt Frauen, die unterwerfen sich heute noch, wohl in der irrigen Meinung, sie könnten sich damit den Himmel verdienen.

Mit Recht darf man auch Fragen, was Mohammed (Koran) aus und mit den Frauen gemacht hat. Mit dem gleichen Recht darf aber auch gefragt werden: Was hast du aus dir selber gemacht?

Es gibt überall auf der Welt Orte wo die Heilende Kraft der Schönheit spürbar ist und wirkt. Auch in Hua Hin. Die wunderbare Parkanlage des Hotels Sofitel gehört dazu, die Orchideen-Pracht des *Hotels Anantasila, und erstaunlicher Weise auch die, erst zum Teil fertig erstellte, Anlage des Lotuswell*. Das heisst, dass diese Anlage aus der Kraft eines Visionärs entsteht.IMG_0367

Anita und ich sassen mit einer Bekannten im Park des Hotels Sofitel in Hua Hin und liessen die Pracht der Blumen, Pflanzen und Sträucher auf uns wirken. Doch unsere Bekannte ertrug die Stille, den Frieden und die Schönheit nicht. Während Anita und ich stille wurden, begann sie zu schwatzen. Ich unterbrach sie und bat, sie solle die Gelegenheit nutzen und sich auf die Schönheit des Parks ausrichten. Vergebens. Sie schwatzte und schwatzte und war nicht zu bremsen. Die Quelle der Erinnerungen sprudelte. Ich setzte mich ab und machte einen Spaziergang durch den Park. Als ich zurück kam floss ihr Geschwätz immer noch ungebrochen.

Auch bei einem zweiten Besuch ging es ihr nicht anders. Sie ertrug den heilenden Frieden der Schönheit nicht. Sie konnte nicht stille sein und die Schönheit der Natur auf sich wirken lassen.

Eine andere Quelle suchen Anita und ich immer wieder auf: Den Urwald. Auf diesen Wanderungen hatten wir schon eine Menge beglückende Erfahrungen. Da war stets alles gegenwärtig. Bei jedem Stehenbleiben war die ganze Schöpfung da und wir wurden zur Einheit mit ihr. Seinserfahrungen. Aber auch hier: Immer wieder erfuhren wir die gesteigerte Schwatzhaftigkeit anderer Besucher…

Schönheit, was ist die Macht der Schönheit? Durch das stille Betrachten der Schönheit kommt der Schauende in den gedankenfreien Raum und dadurch in Fühlung mit dem Sein, dem reinen Bewusstsein, auch Quanten-Bewusstsein genannt. Daraus fliesst die heilende Kraft. Um das zu verstehen, muss etwas über das reine Bewusstsein gesagt werden. Alles, was früher Gott und den Heiligen zugeordnet wurde, kann heute Bewusstsein sein und wird durch die Quantenphysik dem Verstand zugänglich. Der „Heilige Geist“ der christlichen Kirchen ist dadurch zu einer leicht steuerbaren Energie geworden. Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und Heilung sind deshalb keine leeren Worte.

Betrachten wir einen erkrankten Menschen: Er wird vom Arzt in ein Kurhaus eingewiesen. Umgeben von der Schönheit des Parks erholt er sich rasch. Eine Erziehung zur Gesundheit erfolgt allerdings nicht. Angeblich gesund, zumindest erholt, kehrt der Patient nach Hause zurück und ist meistens, dem alten, krankmachenden sozialen Umfeld wieder ausgeliefert. Der Mensch zerstört sich in der Regel selbst. Die schlimmsten Feinde für Wohlbefinden und Gesundheit sind negatives Denken, Enttäuschungen, Rache und Heimzahlung; Spannungsfelder der Eifersucht, fehlende Akzeptanz und die Unfähigkeit zu verzeihen. Ebenso krankmachend ist die Unterdrückung der individuellen Gestaltungskräfte. Anlässlich einer früheren Veranstaltung während der Buchmesse in Leipzig postulierte ich einen Slogan, der ein weites Echo fand: „Gesundheit ist kreative Selbstpflege!“ Nichts einfacheres als das. Im stillen Raum des Quantenbewusstsein sind auch „Wunder“ möglich. Jede/r kann für sich einen persönlichen Raum der Schönheit schaffen. Dazu braucht es kein Vermögen. Ein Blütenzweig reicht oft um die Lebensfreude wieder zu wecken.DSC02446 Kopie

*Nachtrag (26. September 2012): Das Hotel Anantasila hat diesen Sommer einen Umbau erlitten und verlor die heilende Ausstrahlung der Schönheit voll und ganz. Es wurde zu einem kalten Profitzenter und hat jede Anziehung verloren. Hingegen hat sich die Lotuswell Seniorenresidenz wohl zur schönsten Anlage in Hua Hin entwickelt.

http://reisen.siegrist.tv/hua-hin-lotuswell-resort/

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