Glaubenssätze

1997 kam ein Buch von Jane Roberts auf den Markt. Seths letzte Botschaft. Eine neue Sicht von Gesundheit, Krankheit und Tod. Ein Buch, das den Menschen verändern kann und meine eigene Sichtweise in jeder Hinsicht bestätigt. Hier ein Zitat:

Wenn wir von Gesundheit sprechen, müssen wir uns mit euren Glaubensmustern auseinandersetzen. Ihr habt die effizientesten und schönsten Organe, die elegantesten Gliedmassen, kraftvollsten Lungen und hervorragendsten Sinne. Es liegt an euch, mit euren Glaubenssätzen einen Körper zu formen, der diesem physischen Bild entspricht. Ihr werdet von euren Überzeugungen genährt; diese bewirken, dass euer tägliches Brot euch entweder Lebenskraft schenkt oder Sorgen und Stress beschert.

(Jane Roberts: Seths letzte Botschaft, Eine neue Sicht von Gesundheit, Krankheit und Tod. Verlag Hermann Bauer. ISBN 3-7626-0728-1)

 

Glaubenssätze beruhen auf den ersten Lebenserfahrungen und dem, was Eltern und Erzieher an eigenen Glaubenssätzen vermitteln. Solche Überzeugungen werden meist ungeprüft weiter gegeben und übernommen. Massgebend sind jedoch auch die Entscheidungen, welche ein Kind zu seinen ersten Lebenserfahrungen trifft. Solche frühen Überlebensschlussfolgerungen können das ganze Leben prägen, obwohl sie in kindlicher Einfalt getroffen und vom Leben selbst längst überholt wurden. Immer können dies blinde Stolpersteine sein. Oft sind Erwachsene selbst überrascht wie kindisch sie auf gewisse Situationen reagieren.

Prägend ist auch, ob ein Kind erwünscht ist oder abgelehnt wird. Eine Ablehnung oder Enttäuschung erfolgt oft dann, wenn das Neugeborene nicht dem gewünschten Geschlecht entspricht, wenn z.B. ein Knabe zur Welt kommt, an Stelle des von den Eltern ersehnten Mädchens. Ein solcher Mensch wähnt sich sein ganzes Leben lang nicht richtig. „Ich kann tun, was ich will, ich bin nicht richtig“, so oder ähnlich kann sein Glaubenssatz lauten. Er kann sich anstrengen wie er will, Höchstleistungen erbringen, beste Zeugnisse vorweisen, immer begleitet ihn das Gefühl des Nicht-richtig-Seins. Stimmt, er kann nicht richtig sein, denn er hat den Wünschen seiner Eltern bei der Geburt nicht entsprochen. Resignieren, sich selber aufgeben und Flucht in eine Krankheit kann früher oder später die Folge sein.

Es gibt viele Glaubenssätze, die in Krankheiten führen können. Es macht einen grossen Unterschied ob ein vierjähriges Kind in einer Ecke sitzt und leise vor sich hinweint und glaubt „niemand will mich!“ oder ob es zufrieden spielt und strahlt: „Ich glaube alle lieben mich!“

Viele glauben, dass Altwerden auch Kranksein bedeutet. Im Frauenkloster, in dem ich einst Supervisor war, glaubten alle, dass Altwerden auch Krankwerden heisst. Dass ein betagter Mensch gebrechlich wird, sagt noch lange nicht, dass er krank sein muss. Mit meinen 82 Jahren ist mein Körper wohl schwächer und gebrechlich geworden. Trotz Kinderlähmungsspätfolgen bin ich deshalb nicht krank und bin somit auch frei von Medikamenten. Viele in meiner Umgebung lebenden Senioren/innen schlucken jedoch pro Tag bis zu dreissig Tabletten – das ist denn auch ihr alltägliches Thema.

In meinem Buch „Die Welt ist Bild“ habe ich einen tragischen Glaubenssatz aufgezeigt, von dem sich die Patientin nicht trennen konnte, weil ihr die Krankheit (vermeintlich) einen Gewinn brachte.

Sie besitzt die seltene Gabe, sich selber um das Leben zu betrügen. Durch eine frühkindliche Erfahrung glaubt sie, dass sie nur geliebt wird, wenn sie krank ist – oder beinahe stirbt. Sie litt an einer larvierten (maskierten) Depression mit sich stets verschiebenden, unfassbaren Symptomen. Alles wurde von einem kleinkindlichen Trauma ausgelöst. Vom Vater emotional abgelehnt, litt sie unter der herrschenden Missachtung sehr. Es ging ihr schlecht. „Mir geht es schlecht und keiner sieht es.“ Sie wurde ernsthaft mit sichtbaren Symptomen krank und erlebte dabei, dass der Vater sich nunmehr um sie kümmerte, (sie liebte). Er kam zu ihr ins Krankenhaus, brachte ihr Süssigkeiten. Daraus entstand der Glaubenssatz: „Ich werde nur geliebt, wenn ich sterbenskrank bin, (beinahe krepiere).“ Zugleich lernte sie, dass eine Krankheit nur mit offensichtlichen Symptomen glaubhaft ist. Mit enormer suggestiver Kraft kann sie heute jedes gewünschte Symptom glaubwürdig produzieren, alles um Zuwendung zu ergattern, damit sie „geliebt“ wird. Absurd: jede Operation ist liebende Zuwendung. Man kümmert sich um sie. Dazu findet sie ihre Bestätigung durch viele, am Helfersyndrom leidende Mitmenschen, die darauf lauern, helfen zu dürfen, um damit Nähe herzustellen. Alles, was ihr hingegen wirklich helfen würde, sich der Ursache bewusst werden und kreativ ein neues Lebensskript zu gestalten, verweigert sie. Sie müsste sich ihrem Selbstbetrug stellen, ebenso dem Missbrauch, den sie mit den Mitmenschen betreibt.

Gesundheit ist nicht nur eine Abwesenheit von Krankheit, sondern ein Wohlbefinden auf allen Ebenen, von Geist, Seele und Leib. In der Regel muss der aus der Tradition gewordene und kulturell angepasste Mensch einen Heilungsprozess durchstehen und seine Glaubenssätze verändern, damit er wieder wahrnehmen kann, was sein Selbst ausmacht. An anderer Stelle habe ich geschrieben, dass das Über-Ich vom Bockmist der Erziehung befreit werden muss, um wieder an jene ethischen Werte zu gelangen, welche das eigene Leben lebenswert machen. Gehen z.B. christliche Kirchen, von einem Glaubenssatz aus, dass der Mensch von seiner Natur her böse ist und zum Guten erzogen werden muss, sagt die Humanistische Psychologie, dass der Mensch in seiner Natur gut, zumindest neutral ist. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Ein Mensch, der sich in seiner Natur gut fühlt, steht dem Leben ganz anders gegenüber, als jener, der sich böse glaubt, sich deshalb um das Gute bemühen muss und sogar meint er müsse das vermeintlich Böse in sich verbergen und bekämpfen.

Heilung ist ein kreativer Prozess. Gesundheit desgleichen. So wie der Mensch durch seine Geburt Gestalt wird, physisch wächst und erwacht, wollen seine Kräfte über ihn hinauswachsen und Ausdruck finden, sich manifestieren durch sein Tun und Wirken. Er will die physischen Grenzen überschreiten, im Bewusstsein weiter wachsen, auch kulturell und spirituell zur Reife gelangen.

Blockierungen, die ihn daran hindern, können zu Gebrechen und Krankheit führen.

Es lohnt sich stets, den psychisch-geistigen Anteil eines Leidens zu betrachten. Oft ist der Weg zur Heilung ein kleiner Schritt, ausgelöst durch eine Neuentscheidung.

Vielen Menschen, die bis anhin in ihrem Leben, vor allem, emotionale Abweisung und Negatives erfuhren, konnte ich als Therapeut helfen, indem ich ihnen einen positiven Glaubenssatz eingab: „Ich bin Gott gewollt!“ Wenn sie schon niemand wollte, dann waren sie ganz bestimmt von Gott gewollt. Das war in der Regel beste Medizin und die Wurzel für ein neues Selbstwertgefühl. Natürlich hatten viele mit Gott Mühe, weil sie ihn mit der Kirche gleichsetzten. Aufklärung war und ist nötig. Mit Gott ist die universelle, schöpferische Energie gemeint. Damit ist auch das Reine Bewusstsein angesprochen.

 

 

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