Bedingungslose Liebe

Bedingungslose Liebe zu erfahren ist wohl der Wunsch jedes Menschen. Wenn er sie als Neugeborenes an der Mutterbrust und in der Erziehung erleben durfte, ist es eine Prägung fürs ganze Leben. Dementsprechend wird auch seine Berufswahl sein. Meist jedoch ist die elterliche Liebe an Bedingungen geknüpft. Es muss eine Bedingung erfüllt sein oder erfüllt werden, damit das, was man Liebe nennt, bekömmlich wird. Wenn das Neugeborene allerdings schon bei seiner Geburt für die Mutter eine Enttäuschung ist, weil es zum Beispiel ein Mädchen statt ein Junge ist, dann ist von der bedingungslosen Liebe bestimmt nichts zu spüren. In einem solchen Falle wird es wohl ein lebenslanger Wunschtraum bleiben.

Die Gesellschaftsnormen verlangen ein bestimmtes Verhalten von seinen Bürgern. Dementsprechend ist die Erziehung der neuen Erdenbürger. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt ist unsozial, unwillkommen. Die Mutter hat von ihrem Sohn traumhafte Vorstellungen vom dem, was er einst sein soll. Der Vater ebenfalls von der Tochter, von seinen Kindern überhaupt. Wo hat da die bedingungslose Liebe noch Platz? Das Kind hat keine Chance seinem Wesen gemäss zu wachsen und zu werden, was es in Wirklichkeit ist. Es bleibt ihm nur die Anpassung, es lernt das Lügen und verleugnet sich selbst (Selbstverleugnung), oder aber es reagiert mit Trotz.

Die Christlichen Kirchen haben einen Trost dafür: Die bedingungslose Liebe Gottes. Gott ist Liebe. Um in die Gnade dieser Liebe zu kommen muss der Gläubige, der an eine Kirche gebunden ist, eine kaum erfüllbare Serie von Bedingungen erfüllen – erfüllbar meist erst nach dem Tode, im Jenseits. Das ist für das Leben im Hier und Jetzt der reine Wahn.

Ich selbst bin ein Beispiel, das zeigt, dass die bedingungslose Liebe jederzeit und überall erfahrbar sein kann. Nach einer chaotischen Kindheit, als junger Mann, fand ich mich im Leben nicht zurecht. Ich war voller Angst, Verzweiflung, viel alleine und voller Leid. Eines Tages, völlig auf mich zurück geworfen, in meiner emotionalen Not, geschah es. Eine Seinserfahrung. Ich wurde dabei auf das zurückgeworfen, was ich wirklich bin. Wie ein Wunder erfuhr ich eine innere Erlösung, quasi eine Begegnung mit Gott, der mich von jeglicher Schuld befreite und mich mit seiner Gnade segnete. Diese Gnade war nichts anderes als eine bedingungslose Liebe, die mir verzieh. Fortan konnte ich tun und Lassen was ich wollte, das Gefühl der Gnade war stets gegenwärtig. Ich stehe heute noch bedingungslos liebend in dieser Welt.

Der Begriff der bedingungslosen Liebe ist erst innerhalb der letzten 50 Jahre durch die humanistischen und spirituellen Therapieformen wieder aktuell geworden. Es ist aber ein Urbegriff, vorchristliches Wissen, das sogar auf archaische Zeiten zurück greift. Da gibt es steinalte Reliefs mit menschlichen Figuren, die eine liegende 8 über dem Kopf haben, das Unendlichkeitszeichen. Sie weist hin auf das Höhere Selbst, oder das bedingungslos liebende Elternpaar. Die Priester unserer Ur-Ahnen wussten also schon immer, dass es ein Höheres Selbst gibt, das bedingungslos ist, das von sich aus in Ordnung bringt, was nicht in Ordnung ist und heilend wirkt. Es stellte keine Bedingungen und ist für alle Menschen gleichermassen offen. Die Annahmefähigkeit des Menschen scheint dabei das grössere Problem zu sein. Es ist ja immer das Ego mit seinem Verstand, welches alles auf sein Niveau beschränkt. Die Angst die Kontrolle und sich selbst zu verlieren ist viel zu gross.

Die Priester entdeckten, dass es nur wirkt, wenn der Mensch kein schlechtes Gewissen hat und ohne Hintergedanken vor das bedingungslos liebende Elternpaar tritt. Es gab deshalb ein Gebot: Verletze (absichtlich) kein anderes Selbst. Gemeint sind damit nicht nur organische Verletzungen, sondern auch seelische; Kränkungen, Beleidigungen – kurz: dem andern kein Leid zufügen. Das genügte und genügt auch heute. Das Gewissen rein zu halten ist eine Sache des Wissens und der Intelligenz.

Sie entdeckten auch, dass das bedingungslos liebende Elternpaar nur über ein gutes Gefühl erreichbar ist und dass es über den Kopf, den Verstand keine direkte Verbindung gibt. Dementsprechend mussten sie die guten Gefühle pflegen und der Verstand musste eine Gefühlssprache lernen, um über Wohlgefühle mit dem Elternpaar indirekt in Kontakt zu kommen. So entdeckten sie eine Dreigliederung des Menschen, die bis heute noch, rund um das Erdenrund, gebraucht wird. Das bedingungslos liebende Elternpaar wurde zum Höheren Selbst, die Gefühlsebene zum Niedrigen Selbst, und die Mentale-, die Verstandesebene zum Mittleren Selbst. Jedes dieser drei Selbste ist eigenständig und kann für sich alleine Wirken, aber immer wurde eine Harmonie, eine Übereinstimmung, eine Dreieinheit angestrebt. Auch Sigmund Freud, der Vater der Psychologie, hat diese Dreigliederung übernommen und nannte sie ES, als unteres Selbst, ICH, als mittleres Selbst, und ÜBER-ICH, als höheres Selbst. Die Skript- und Transaktionsanalyse spricht vom K: Kind-Ich, ER: Erwachsenen-Ich und EL: Eltern-Ich. Auch das Christentum fand zu einer Dreigliederung, die eine Einheit von Vater, Sohn und Heiliger Geist bilden. Das weiblich Geschlecht bleibt da zum Vornherein ausgeschlossen.

Es ist immer eine Dreiheit, die den Menschen zur Ganzheit macht. Der Emotionalkörper mit seiner emotionalen Intelligenz; die mentale Ebene mit dem Verstand, dem Intellekt; und die spirituelle Ebene, mit dem reinen Bewusstsein. Und für alle drei braucht es einen Körper, durch den sie sich manifestieren können. Jeder Mensch ist dazu berufen. Ohne physische Ausdrucksmöglichkeit wäre alles ein unsichtbares Nichts.

Dank der Quanten-Physik weiss man heute mehr darüber. Die Weisheit der Urväter wird durchwegs bestätigt. Die Bedingungslose Liebe ist ein direkter Ausdruck des reinen Bewusstseins – oder umgekehrt, wer sich in der bedingungslosen Liebe übt, kommt in den Kontakt mit dem reinen Bewusstsein und wird mit situationsunabhängigen Wohl-Gefühlen belohnt.

Die Kunst besteht darin, dass der moderne Mensch wieder lernt mit dem reinen Bewusstsein in Kontakt zu kommen, damit er sich selbst und die Umwelt erneuern und in Würde leben kann. Das ist viel einfacher als es scheint: Die Gedanken ausschalten und sich öffnen.

Die Bedingungslose Liebe ist das beste Erkenntnismittel überhaupt. Wenn jemand bedingungslos liebend auf einen Mitmenschen eingeht und emotional mitschwingt erfährt er mühelos alles, was der andere an positiven und negativen Gefühlswerten mit sich herumträgt. Da gibt es nichts zu verbergen. Bei einem solchen Vorgehen muss einer jedoch sehr achtsam sein, sonst übernimmt er vom anderen allen seelischen Ballast und macht ihn zum eigenen und wird unter umständen krank.

Während meiner Berufszeit kannte ich viele Therapeuten, die diesem, für sie noch unbewussten Mechanismus zum Opfer fielen und in Supervisionen dieses Problem aufarbeiten mussten. Meist litten sie nach wenigen Berufsjahren unter Depressionen. Sie gingen alle ihre Arbeit an, so wie sie ausgebildet wurden, intellektuell, verstandesmässig, schwangen empathisch mit, ohne dabei im eigenen Grundgefühl zu bleiben. Sie hatten von der Wirksamkeit innerer Phänomene oft nicht einmal eine Ahnung. Auch ich musste da meine Erfahrungen machen. Mein Beruf war Berufung und floss aus dem Künstlerischen. Ich bot jedem Klienten und Schüler durch meine Offenheit die Möglichkeit positive Gefühle, vor allem Lebensfreude zu erfahren, aber auch durch mich in Kontakt mit der Quantenebene zu kommen. Für viele war das ein Trank aus dem Born der bedingungslosen Liebe, der heilend wirkte.

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